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Meinung: Warum ich PrEP nehme

2019-05-09|14:18 · von Rene K.

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PrEP

Ich nehme nun seit einem Jahr PrEP. Und habe in der Zeit einige interessante Rückmeldungen bekommen. Zu den Gründen warum ich sie nehme.


Ich erhalte zwei Arten von Rückmeldungen in den schwulen Apps auf meine Verhütungsangabe. Jüngere Schwule unter 30 gehen automatisch davon aus, dass ich ohne Gummi ficke. Ältere lehnen es fast durchgängig ab sich mit mir zu treffen.

Das lässt sich sicher einerseits durch den Generationenunterschied erklären. Junge Schwule haben den Horror von HIV/AIDS nicht miterlebt. Oder sind nicht, wie ich, mit Safe Sex Kampagnen bombardiert worden. HIV/AIDS ist für sie nur noch eine unangenehme Erkrankung, die man mit einer Tablette täglich bekämpft. Ist man unter der Nachweisgrenze gibt es sowieso kein Problem mehr.

Die ablehnende Reaktion wiederrum ist ein Hinweis auf die immer noch lauernde wertende Art, mit der Sex gesehen wird. Jemand der PrEP nimmt will nur durch die Gegend ficken, sich am besten von 20 Männern hintereinander reinspritzen lassen. Ist also eine Schlampe, voll mit Krankheiten.

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2019-05-09|14:22 · von Rene K.

Die Art und Weise wie wir als Gesellschaft im Allgemeinen und als Community im Speziellen Lust immer noch mit einem Charakterfehler gleichsetzen ist bemerkenswert.


Ich nehme die PrEP und ich nehme sie nicht, weil ich jeden Abend mit einem anderen (oder mehreren) Typen vögle. Ich nehme sie in dem Wissen, dass ich mich damit bestmöglich schütze. Was gern vergessen wird, Kondome schützen nicht zu 100%. Aber in Verbindung mit PrEP kann ich mich, als bottom überhaupt, einfach besser schützen.

Wir sollten den Tatsachen ins Auge sehen. Bei sexuellen Handlungen sind Infektionen von relativ harmlos (Chlamydia) bis lebensbedrohlich (HIV/AIDS) immer möglich. Wer das nicht eingehen will, lebt am besten zölibatär. Für uns andere, die nicht auf Sex verzichten wollen, gilt es Risiken abzuschätzen. Mit PrEP bin ich gegen die gefährlichste Erkrankung geschützt. Und wenn Syphilis, Tripper etc. extrem unangenehm sind (und, wenn nicht korrekt diagnostiziert, Langzeitwirkungen haben können), sind diese gut behandelbar.

Ich behaupte also das Gegenteil. Weil ich PrEP nehme, nehme ich meine Gesundheit und die meiner Sexpartner ernst. Ich denke mehr kann man nicht verlangen.

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2019-05-09|14:22 · von Rene K.

Dieser Artikel reflektiert die Meinung des Autors und nicht die Meinung von gayboy.at oder anderen Mitarbeitern.

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