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Queer Canon: Teleny

2019-05-31|15:04 · von Rene K.

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Oscar Wilde

In unserer neuen Serie stellen wir Euch Romane, Filme, Musik und Kunstwerke vor, die von LGBTQ Künstlern geschaffen wurden oder eine queere Leseart bieten. Wir starten mit einer Ikone der LGBTQ Bewegung, und einem wenig bekannten Werk.


Oscar Wilde ist wohl hauptsächlich durch seinen spektakulären Gerichtsfalls und seine Verurteilung bekannt. Was nicht so bekannt ist (und in vielen Biographien auch gern unterschlagen wird) ist, dass Wilde mit der Verfassung eines pornografischen Romans in Verbindung steht. 1893 in kleinster Auflage erschienen, ist der Roman eine Gemeinschaftsarbeit mit einer Gruppe von Freunden, die alle zu der Geschichte beigetragen haben. Die Verbindung zu Wilde ist wahrscheinlich. Es wird gemutmaßt, dass er als Editor mitgearbeitet hat. Es kann aber nicht einwandfrei nachgewiesen werden.

Der Roman handelt von der Liebesgeschichte von Camille des Grieux und René Teleny, die, nach anfänglichem Zögern, eine leidenschaftliche Affäre beginnen. Teleny führt des Grieux in das schwule Milieu in Paris ein. Die Geschichte endet, wie die meisten klassischen schwulen Liebesgeschichten, tragisch mit Telenys Selbstmord.

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2019-05-31|15:06 · von Rene K.

Das Buch ist kein Meisterwerk. Die verschiedenen beteiligten Autoren bringen verschiedene Stile hinein. Es ist für heutige Leser schwülstig und affektiert geschrieben. Einige Handlungsströme sind so übertrieben und ein wenig lächerlich (z.b.: Der Grund für die Trennung der beiden Liebenden ist, dass Teleny mit des Grieux’s Mutter schläft).

 

Warum gehört das Buch für mich in den Kanon? Der Roman ist so über dramatisch, dass es Camp ist. Und allein das ist lesenswert. Trotz all der Eskapaden der Handlung sind die Charaktere sensibel und komplex beschrieben. Und, letztendlich, als historisches Objekt; Teleny ist einer der ersten pornographischen Romane, der sich (fast) ausschließlich mit schwulem Sex und Begehren befasst. Und fällt damit genau in die Zeit, in der eine eigenständige schwule Subkultur in Europa und Amerika entsteht. Und gehört damit zu den Gründungstexten unserer Subkultur.

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